Donnerstag, 01.01.2009
Zum Glück ist es vorbei!
Mitte Dezember kaufte ich mir den Jahresrückblick eines bekannten deutschen Verlages, welchen wir an dieser Stelle der Einfachheit halber "Sturmgeschütz-der-Demokratie-Verlag" nennen. Ich bin jedesmal enttäuscht, dass diese Werke die zweite Dezemberhälfte nicht enthalten, was wirklich witzig wäre, vor allem, wenn weil man damit das nächste Promi-Wehwehchen schon im Voraus zeitsparend diskutieren könnte und damit bei Eintreffen des Vorfalls seine Ruhe hätte.
Viel enttäuschender jedoch ist, dass man in jedem Jahr erwartet, dass die zweite Dezemberhälfte des Jahres n im Jahresrückblick n+1 dann doch noch journalistisch aufbereitet würde. Wird sie aber nicht! In, sagen wir, 3 Millionen Jahren wird man bestürzt feststellen, dass die Berichterstattung aus aller Welt in der zweiten Dezemberhälfte beliebiger Jahre der Postmoderne Sendepause hatte. Das wäre wahrscheinlich gar nichtmal so schlimm, schließlich geht's der Mediendemokratie "zwischen den Jahren" sowieso nur darum, was Bobbele zu Weihnachten bekam, wer welche Popstar-Anwärterin im Lamettareigen anbuffte und auf welchem Fernsehsender Heiligabend die dicksten Möpse zu sehen waren.
(Die Antworten lauten: 1 Fußpflegeset aus Gold, der Typ die eine da und DSF.)
Als engagierter Chronist wird mir dieser Anfängerfehler natürlich nicht unterlaufen, deshalb folgt an dieser Stelle Qualitys Jahresrückblick 2008, welcher sich vom ersten bis zum letzten Tag des Jahres erstreckt, nichts verschweigt und hauptsächlich Prahlhans-Anekdoten über mich und von mir enthält. Der Jahresrückblick ist vor allem für mich, damit ich mich 2009, wenn es nach Meinung führender Meinungsforscherexperten zappenduster wird, an vergangene Tage erinnern kann, denn alles in allem war 2008 ein gutes Jahr für mich. Deswegen habe ich 2008 auch bloß 7 Artikel in mein Blog geschrieben, was mein Selbstbild als engagierter Chronist, siehe oben, nicht im mindesten beschädigt, weil ich an dieser Stelle alles nachhole. Wer nach anstrengender Sylvestersause schon wieder lesen kann, lese den anderen vor! Auf geht's!
Januar:
Das Jahr beginnt für Quality ausgezeichnet: In einer beherrschten Kommando-Aktion und völlig ohne Eigennutz rettet Quality seine neue Nachbarin vor ihrem übergrifflichen Lebensabschnittsgefährten. Die Dame wird es Quality nie danken, ihn niemals auf dem Hausflur grüßen und ihn darüber hinaus beim Vermieter anschwärzen, weil Quality die Dusche pro Tag einmal benutzt und somit, mit Hinblick auf die gesamte Mieterschaft, unter Waschzwang leidet, welcher sich durch die erhöhte Wasserrechnung auf die gesamte Mietersolidargemeinschaft auswirkt. Quality zahlt es der Nachbarin heim, indem er sie auf dem Hausflur besonders freundlich grüßt und ihre Einkaufstüten (viele kleine Schnapsflaschen darin) die Treppe hinauf trägt.
Februar:
Quality stellt fest, dass die Anschaffung eines iPhones der schlimmste Fehler des Jahres 2007 war. Seinen Enthusiasmus für Geräte, die Piepsen und Displays haben, wird Quality im gesamten Jahr 2008 nicht wiedererlangen. Darüber hinaus erhält Quality eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, welche er wahrnimmt, obwohl er dafür hochansteckend und mit 41 Grad Fieber 1500 Kilometer durch Deutschland eiern muss.
Obwohl er beim Vorstellungsgespräch zittert, stinkt und halluziniert, erhält Quality die Gelegenheit, beim weltweit führenden Hersteller von Raumfahrttechnologie und Babykosmetika einzusteigen. Leider wird Quality sich der Konsequenzen erst bewusst, als er im März eine schriftliche Einladung zu einer Strategiebesprechung des neuen Arbeitgebers erhält. Der Besprechungstermin war Quality während des Vorstellungsgesprächs entgangen, als er in einem Moment, in dem keiner auf ihn achtgab, eine Flasche Melissengeist runterkippte, um schnell wieder gesund zu werden.
März:
Quality erhält eine Einladung zur Strategiebesprechung des weltweit führenden Herstellers. Da Quality zu diesem Zeitpunkt aber noch für einen weltweit beinahe führenden Hersteller von Tortenböden und Handtaschen aus gefälschtem Leder arbeitet, muss er dafür erneut Urlaub nehmen. Als der weltweit beinahe führende Hersteller vom weltweit führenden Hersteller Wind bekommt, pocht der weltweit beinahe führende Hersteller auf Qualitys Arbeitsvertrag und verlangt, dass die für Bewerbung und Strategiegespräch draufgegangene Arbeitszeit durch Quality nachbearbeitet wird. Gleichzeitig findet eine Neubewertung Qualitys Verzehrs bei der Weihnachtsfeier des weltweit beinahe führenden Herstellers statt, so dass für zwei Pils und einen Teller Grünkohl eine Nachzahlung vom Umfang eines Wochenlohns fällig wird.
April:
Quality macht seinen Anspruch auf die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses geltend. Im Arbeitszeugnis wird, nach stundenlanger Diskussion und weil Quality so frech war, an einer Stelle das "sehr" vor dem "gut" gestrichen. Quality orgasmiert vor Freude, als er das Exemplar mit dem durchgestrichenen "sehr" für seine Unterlagen erhält. Qualitys neuer Arbeitgeber ist entzückt.
Mai:
Quality muss wieder umziehen, das zweite Mal innerhalb von sechs Monaten.
Juni:
Im Juni passierte nichts.
Juli / August:
Quality wird als Industriespion mit gefälschten Ausweispapieren und neuer Identität mit einem Geheimauftrag ins Ausland geschickt. Weil Quality ein alter Profi ist, gelingt es ihm mühelos, seine Identität bis zum achten Tag geheim zu halten. Am neunten Tag wird Quality zu einem Geschäftsessen geladen, wo ihn der Vorstandsvorsitzende des auszuspionierenden Herstellers von Schokowaffeln und Artilleriegeschossen namentlich und mit Handschlag begrüßt. Es wird ein sehr netter Abend, an den Quality noch lange zurückdenken wird. Am zehnten Tag tritt Quality die Heimreise an.
September:
Die Iceland-Mutual-Rück geht pleite. Aus der Insolvenzmasse werden Quality 200 Islandponys zugesprochen. Quality mietet einen Teil des Schulhofs der nahen Vorschule an und verdient ein Vermögen mit seiner neuen Ponyreiten-Therapie, die Selbstfindung für Intensivtäter im Kleinkindalter gestattet. Ende des Monats wird Quality als Lead-User eines Herstellers für haltbare Möhrchen extra fein geehrt.
Oktober:
Quality kauft sich ein zweites iPhone. Das ist natürlich völlig bescheuert, aber ich lebe, was ich fühle, was als Rechtfertigung ausreichen sollte.
November:
Quality wechselt schon wieder seinen Job und arbeitet nunmehr für den weltweit führenden Hersteller von Vogelhäuschen und Bonbonpapier, mit der Konsequenz, dass er im Frühjahr 2009 schon wieder umziehen muss.
Dezember:
Quality exmatrikuliert sich endlich, nachdem er 2008 nicht ein einziges Mal im Kino war und es wirklich keinen Unterschied mehr macht, ob er Vollpreis oder ermäßigt zahlt.
Ich bin für das vergangene Jahr sehr dankbar und hoffe, dass 2008 zu jedem meiner Leser mindestens genau so milde war. Darüber hinaus wünsche ich jedem und ganz besonders mir, dass 2009 noch viel ereignisreicher wird, auch wenn das bedeutet, dass ich in diesem Jahr noch seltener posten werde. Vielleicht nur viermal, diesen Post eingeschlossen.
Yay 2009!
Quality
Freitag, 02.05.2008
Zeugt Töchter!
Ist Ihnen schonmal aufgefallen, was in den meisten Gegenden der Welt, in denen etwas schiefläuft, schiefläuft? Egal, ob Sie jetzt mal am Hindukusch oder in Arabien, in Ostdeutschland oder in sagen wir einmal Neukölln vorbeischauen? Richtig - es gibt zu viele Piepmätze auf der Welt, die sich ihre Zeit mit bescheuerten Mätzchen vertreiben. Das habe ich, der sich am liebsten mit der Frauenfrage beschäftigt, ganz alleine herausgefunden. Und deshalb beschäftige ich mich ab jetzt nur noch mit der Männerfrage, die ist nämlich viel interessanter.
Im Allgemeinen geht der Mechanismus, eine Weltregion abzuwracken, so: Zuerst vergessen die Menschen, dass es Frauen braucht - nicht nur zum Kissen aufschütteln, wenn man einen grippalen Infekt hat, sondern auch zum Kinderkriegen, über's-Haar-streicheln und Trostpflaster spenden, wenn man sich mit dem Skateboard gemault hat oder schon wieder vom Esel gefallen ist. Wer vergisst, dass Frauen mindestens so spitze sind wie Barbecue-Kartoffelchips oder diese Kugelschreiber, die man nie nachfüllen muss, der ist auch im allgemeinen Frauen gegenüber unausstehlich. Entweder indem er mit voller Absicht vergisst, sich zu waschen und zu rasieren und infolge dessen anhebt, gnadenlos zu stinken, oder indem er seine Frau in schwarze Tücher wickelt und immer, wenn Gäste kommen, in den Abstellraum stellt. Würd' ich mir als Frau nicht gefallen lassen. Und deshalb verschwinden Frauen aus Gegenden, in denen es blöd ist. Weil Männer natürlich nicht auf den Kopf gefallen sind und es gar nicht in die Tüte kommt, dass Frauen irgendwas vom schönen Patriarchat abbekommen, werden sie jetzt erst richtig sachlich und schließen Frauen in einem Harem ein, bestrafen Ehebruch mit Steinigung, lassen Frauen nicht einmal mehr unbeaufsichtigt die Bilder in der Freundin angucken (weil Lesen dürfen Frauen nicht lernen) und beginnen damit, nur noch Söhne zu zeugen. Das ist natürlich irgendwie hirnrissig, denn woher sollen Frauen denn kommen, wenn man sie nicht mit Frauen (am besten in gegenseitigem Einvernehmen) unter der Bettdecke selbst herstellt?
Und so gibt es Gegenden der Welt, die haben einen sogenannten männlichen Jugendüberschuss. Und deshalb ist dort ständig Radau. Weil junge Männer immer grundsätzlich uneinsichtig und selbstzerstörerisch sind. Haben Sie jemals gesehen, dass die greisenhaften Opis, die irgendwelche Wüstenrowdys befehligen, selbst mal Hand an eine Staatsflagge oder Autobombe gelegt hätten? Da sehen Sie mal!
Im Alter zwischen 25 und 35, sagen jedenfalls die Experten, drehen die ganzen unbefleckten Bürschchen wie irre am Rad. Das macht einfach mehr Spaß als unberührt im Finanzamt Sachen zu bearbeiten oder jungfräulich im Tiefbau zu malochen. Gucken sie doch mal nach Ostdeutschland, wo Skinheads ihre Schäferhunde, nicht jedoch ihre Partnerinnen scharf machen. Oder in die besonders männlichen Gegenden deutscher Großstädte. Obwohl - seit neuestem beobachte ich gerade dort Bruderküsschen auf die Wange. Das ist schizophren, fürchten sich doch gerade die Bevölkerungsschichten, die Bruderküsschen verteilen, besonders davor, am Ende doch ungewollt schwul zu sein.
Wenn Sie, lieber Leser, auch ganz schrecklich dicke Klöten haben, Bruderküsschen verteilen müssen und Ihnen die Zehen wehtun, weil Sie den ganzen Tag total männlich an der Bushaltestelle randaliert haben, Sie mitunter beschlossen haben, ein ganz normales Leben zu führen und auf die Seite zu wechseln, auf der Mann in der Badewanne eine Hollunder-Limonade genießen darf, ohne sich dabei zu fragen, ob man dadurch schwul werden kann, dann habe ich einen arroganten und wohlfeilen Tipp für Sie. Die ganze Aktion wird Sie etwa 15 Euro kosten und für immer aus Ihrer selbstverschuldeten Männlichkeit befreien - und Sie könnten wieder aufatmen.
1) Gehen Sie mit einem Freund in Ihr Schlafzimmer
Keine Angst, davon wird man nicht schwul. Kämmen Sie Ihre Haare, ziehen Sie ein Hemd oder ein einfarbiges T-Shirt an und lassen Sie Ihren Freund mit Ihrem Foto-Telefon ein Portraitfoto von sich machen. Wenn Sie nicht wissen, was ein Portrait ist, müssen Sie zum Fotografen. Wenn Sie nicht wissen, was ein Foto ist, dann sowieso. E-Mailen Sie das Foto an Ihre E-Mail-Adresse. Das können die meisten Foto-Händies sowie die meisten Fotografen.
2) Gehen Sie allein in ein Internet-Café
Aber nicht, um bayrische Autos oder nackte Weiber anzugucken. Starten Sie nicht "das Internet", sondern das Office-Paket. Tippen Sie einen Lebenslauf. Ein Lebenslauf sieht so aus: Oben stehen Name und Adresse, ihre Staatsangehörigkeit und ihr Ehestand (der ist "ledig", das weiß ich genau). Schreiben Sie darunter, von wann bis wann Sie in welcher Schule waren. Die Monate reichen schon. Beenden Sie mit Ihrem höchsten Schulabschluss. Wenn Sie keinen haben, schreiben Sie besser nichts. Wenn Sie schonmal etwas gearbeitet haben, schreiben Sie das auch auf - sofern es nichts illegales war. Wenn Ihnen etwas einfällt, was Sie darüber hinaus können, notieren Sie das ebenfalls unter "Sonstiges". Sprachkenntnisse nicht vergessen! Und wenn Sie einen Führerschein haben (einen echten!), gehört das auch auf das Papier.
Verteilen Sie die Buchstaben schön ansprechend auf dem Papier. Laden Sie das Foto aus der E-Mail, verkleinern Sie es ein wenig und schubsen Sie es mit der Maus nach oben rechts. Gucken Sie noch einmal drüber und achten Sie darauf, dass keine Schreibfehler im Dokument stecken. Dabei hilft manchmal die eingebaute Rechtschreibkorrektur. Drucken Sie 10 Exemplare, oder eben so viele, bis der Internet-Café-Inhaber anfängt, herumzubrüllen.
3) Gehen Sie auf das Arbeitsamt
Im Arbeitsamt muss man nicht arbeiten. Manche Arbeitsämter heißen "Agentur für Arbeit" aber "Twix" hieß früher auch "Raider", auch wenn das die jungen Schlönse von heute nicht glauben wollen. Schnappen Sie Sich einen Berater und lassen Sie sich eine Liste mit Jobs geben. Und jetzt kommt das schönste: Weil man mit Sachbearbeitern meist gut reden kann, lassen Sie Sich eine Liste erstellen, die aus einem anderen Stadtteil kommt. Einem Stadtteil, indem es junge Frauen gibt, zum Beispiel. Das können die Burschen bei der Agentur nämlich!
4) Wieder ins Internet-Café
Schreiben Sie jedem auf der Liste vom Arbeitsamt einen Brief. Es ist wichtig, dass Sie das selbst machen (und nicht etwa die Agentur für Sie)! Wenden Sie die Rechtschreibkorrektur an. Lassen Sie das Schreiben ausdrucken und geben Sie es mit ihrem Lebenslauf in einen Briefumschlag. Schreiben Sie auf den Briefumschlag die Adresse von der Liste aus der Agentur.
5) Zur Post
Suchen Sie ein Postamt. Weil es bei der Post keine Pullen, Knarren, Kräuter oder Pülverchen zu kaufen gibt, kennen Sie Ihr Postamt u.U. noch nicht. Kleiner Tipp: Folgen Sie einem gelben LKW. Pünktlich um 14:30 macht der nämlich Feierabend und steht dann entweder vor der Post oder vor der Pommesbude. Geben Sie den Briefumschlag der Dame hinter dem Schalter. Fluchen und Spucken Sie nicht - männliche Gesten werden auf der Post nicht verlangt. Reichen Sie der Dame genau den Geldbetrag, den sie verlangt.
6) Wiederholen
Widerholen Sie die Schritte 3 - 5 solange, bis Ihr Telefon klingelt. Wenn Sie die Nummer nicht wiedererkennen, melden Sie sich am besten mit ihrem vollen Namen. Sollte eine Frau am Telefon sein, sollten Sie trotzdem höflich sein, auch wenn wir alle Wissen, dass Frauen am liebsten hart rangenommen werden, fluch, spuck. Jetzt sind Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In einem Stadtteil, wo's Frauen gibt! Der bald Ihre neue Heimat ist! Sie haben nun die Chance, mehr vom Leben zu bekommen, als mit der Hand in der Hose Schulkinder anzupöbeln. Kaufen Sie sich ein deutsches Nachrichtenmagazin, schlagen Sie die letzten Seiten auf und ziehen Sie sich so an, wie die Herren in ihrem Alter es tun. Viel Erfolg!
Gratuliere! Jetzt haben Sie einen Beruf und daher nicht mehr den ganzen Tag Zeit, anderen mit sinnlosem Radau auf den Wecker zu gehen. Wenn Sie sich jetzt noch täglich waschen, anständig "Guten Morgen" sagen und einigermaßen umgänglich sind, werden Sie auch bald eine Partnerin finden, die Ihr Glück mit Ihnen teilt. Und wenn Sie zu der immer ganz lieb sind, werden Sie eines schönen Tages auch Ihre selbstverschuldete Unschuld verlieren, eine eigene Familie gründen, ihre Söhne und Töchter anständig großziehen und bayrische Autos fahren, bis Ihnen der Leberkäse zu den Ohren herauskommt. Und alles mit 15 Euro und ein paar Stunden Aufwand!
Quality
Rechtfertigung: Bin ich wirklich so ungerecht? Gewiss: Ganz viele Arbeitgeber stellen tatsächlich nur Bewerber ein, die ihre Schreiben fehlerfrei verfassen können - das muss man halt wissen! Und viele der Burschen, die von Vorabend bis in die frühen Morgenstunden ihre Eier in der Innenstadt auf- und abschleppen, haben einfach nicht die Zeit dazu, ein Foto mit dem Telefon zu knipsen, auf dem keiner verdroschen wird. Aber für die ist der Text ja auch nicht gemacht! Wer gerne mit seinen Körpersäften ringt, Bruderküsschen verteilt und mit dem Verweis auf seine zweifelhafte Ehre Repekt einfordert, mitunter nicht einsehen mag, dass das viel mehr anstrengt, als ein Vollzeitjob als Gärtner oder Blätter-aus-dem-Pool-fischer, der kann damit ja gerne weitermachen. Ich möchte keinen Angehörigen des männlichen Jugendüberschusses davon abhalten, im Testosteron-Ghetto seiner Familienehre oder der Aktentasche des Geschäftsmannes hinterherzujagen. Ich persönlich fände es jedoch bescheuert, mir von Leuten wie mir beweisen zu lassen, wie bescheuert ich bin.
Dienstag, 29.04.2008
Panzergrenadiere greifen an!
Liebe Leser, ich habe ein Bundeswehr-Problem. In den letzten Monaten habe ich viele hundert Zugriffe von Panzergrenadieren und anderen Bundeswehr-Blödis bekommen. Ich möchte nicht übertreiben, aber in Sachen Bundeswehr im Allgemeinen und Panzergrenadier im Besonderen bin ich im deutschsprachigen Raum zu einer Instanz geworden. Und immer wieder wenden sich junge Männer und Frauen an mich, wenn sie Beistand bei einer Entscheidung bezüglich der Karriere bei der Bundeswehr suchen.
Ich könnte darüber froh sein, Werbung für Panzerpudding oder Gewehrbürsten schalten und mich dumm und dusselig verdienen. Das tu ich aber nicht. Denn die Bundeswehr und die Panzergrenadiere haben ein Problem.
Das Problem der Bundeswehr ist die Wehrpflicht. Hoppla, das hätten Sie jetzt wohl nicht gedacht, was? Doch führende Generäle, Reichsmarschalle und Fregattenkapitäne sind sich einig, dass die Wehrpflicht sogar das größte Problem ist. Denn wegen der Wehrpflicht hat man mehr junge Männer vor der Tür stehen, als es Tretminen oder Giftgasbomben auf der Welt gibt. Es gibt auch nicht genug Kartoffelschäler, Drehstühle, Zelte und Paradehemden, dass es für jeden reicht. Der ganze Kram ist einfach viel zu teuer!
Verschärfend kommt hinzu, dass es zwar eine Wehrpflicht gibt, man den einzelnen jedoch nicht zum Dienst an der Waffe zwingen kann. Kriegsführung heutzutage ist viel zu fortschrittlich, als dass die Leute noch von ihren eigenen Offizieren in's Feuer getrieben werden müssen. Es gibt also einen Ersatz- oder Zivildienst. Beim Zivildienst wird die größte Schwäche des Diensts an der Waffe zum größten Vorteil: Man hat immer genug junge Männer vor der Tür, dass man, wenn man es richtig macht, jedem Opi und jeder Omi drei oder vier mit nach Hause geben kann. Und das allerschönste: Im Gegensatz zum Panzergrenadier, der der Bundeswehr nur Rufschädigung, Prozesskosten, Manöverschäden, Totenanzeigen und peinliche Szenen im Ausland liefert, kostet der Zivi nur 9 Euro am Tag! Heißahopsa, ein dreifaches Hurra auf die Zivis, die sich für 'nen Euro die Stunde abrackern! Das wird keinem Arbeitslosen der Republik zugemutet, aber Zivis halten das aus.
Der Zivildienst ist also so günstig, dass er niemals abgeschafft werden wird. Und weil es keine Zivis gäbe, die für einen Euro die Stunde Omis auf den Lokus heben, wenn es keine Wehrpflicht gäbe, die die Leute zum Ersatzdienst zwingt, wird die Wehrpflicht auf ewig und drei Tage existieren. Nicht zugunsten der Wehrbereitschaft gegenüber Feuer, Hochwasser und King Kong, sondern weil sich sonst kein Schwein um die Alten, Kranken und Behinderten kümmert. Im Grunde können wir die Wehrpflicht gleich Wickelpflicht nennen, aber das machen wir nicht, weil führende Panzergrenadiere, Oberste und Gefreite beim Begriff "Wickeln" fürchten, sie könnten schwul werden.
Und da kommen wir gleich zum zweiten Teil der Wehrpflichtproblematik. Weil die jungen Männer, die den Eurofighter fliegen könnten den Eurofighter nicht fliegen wollen, muss man immer in die nächst-niedrigere Schublade greifen. Das verursacht nicht nur Probleme mit dem Kreuz, sondern hat auch zur Folge, dass viele Bundeswehrsoldaten in ihrem Beruf hoffnungslos überfordert sind. Und weil sich in dieser Arbeitssituation unmöglich eine professionelle Atmosphäre entwickeln kann, fallen Fallschirm-Elite-Truppen vor allem damit auf, dass sie sich den lieben langen Tag getrocknete Früchte in den After stecken - gegenseitig. Haben Sie das etwa schon vergessen?
Ich bin mitnichten der einzige, der diese Problematik durchschaut hat. Tatsächlich haben mir mehrere führende Sergeanten und Rittmeister bestätigt: "Wir sind so doof, dass es dreimal hintereinander kracht!"
Aber auch die niedrigeren Dienstgrade bekleckern sich in Qualitys Blog mit Ruhm. Ich bin beinahe schon so weit, dass ich die Kommentarfunktion nur noch für Wehrpflichtige und Soldaten freischalte. Alles zum Ruhme unserer Bundeswehr!
Hier sind ein paar Kommentare wiedergegeben, die einen Einblick in die Gehirne der Burschen geben, die man als LKW-Fahrer, Bäcker oder Tankwart nicht gebrauchen konnte. Wenn Sie, lieber Leser, zufällig in leitender Position bei der Bundeswehr angestellt sind und sich über diese Zitate wundern, dann wundere ich mich über Sie. Viel Vergnügen!
"Bei Leuten wie dir kann ich nur sagen, dass ich mir wünschte, dass all die tapferen Landser die ihr Leben für das deiner Blutlinie in den letzten 300 Jahren Menschheitsgeschichte gegeben haben, lieber hätten so denken sollen wie du, damit Leute wie du nicht auch noch auf ihr Grab pissen können."
OG (ROA) B, 06.07.2007
"mach dich vorher schlau bevor du scheiße schreibst, du alter Zivi" [sic]
kk, 25.07.2007
"Das sich hier der ein oder andere so echauffiert oder gar beleidigend wird, heiße ich persönlich und stellvertretend im Namen der Bundeswehr nicht für gut." [sic]
SEF, 15.10.2007, nach eigener Aussage "umsorgender Pressebeauftragter" mit der E-Mail-Adresse gott@web.de
"Panzergranadiere wird zwar gesagt das sie alles ficken fressen und kaputt machen aber sie sind mit die best ausgebildete truppe die es gibt. sie beherrschen jede waffe. sind im taktik ausgebildet. die sind auch die die im ernst fall ihr leben für deins geben im kriegsfall dehmnach kann ich nicht verstehen das sone lügen verbreitet werden von leuten die noch nie in so einer truppe war." [sic!!!]
DDD, heute
Fantastisch! Ich bedanke mich herzlich bei allen Lesern und wünsche allen Soldaten, die ohne Hilfe so weit gelesen haben, alles Gute für Ihr Ersuchen um Entlassung. Vor allem aber wünsche ich der Bundeswehr, was jeder Fernsehzeitungsdrücker in Deutschland hat - eine Recruitment-Abeilung im wörtlichen Sinne. Es kann doch nicht angehen, dass die Bundeswehr jedes Jahr tausende Spatzenhirne ausmustern muss, bis endlich mal einer vorspricht, der seine Schuhe schon alleine binden kann - und der dann auch noch verweigert.
Quality
"Jeder der nicht beim Bund war hat etwas verpasst"
Basti, 13.10.2005
Freitag, 22.02.2008
Das Vorstellungsgespräch
Heutzutage bewirbt man sich digital, das finde ich voll OK, schließlich kann ich ja auch digital Pizza bestellen, Marmelade einkochen oder Zeitung lesen. Ist doch nichts dabei! Also schrieb ich eine Bewerbung und schickte Sie an den multinationalen Konzern "Weltweiter Technologieführer AG". Am nächsten Tag kam auch gleich die Antwort:
Sehr geehrter Herr Quality... abschweif, paraphrasier...
bitte rechnen Sie damit, dass der Auswahlprozess der Bewerber mehrere Monate dauern kann.
Ihre Weltweiter Technologieführer AG
und zehn Minuten später
Sehr geehrter Herr Quality... salbader, rabarber...
bitte besuchen Sie uns in einer Woche.
Mit freundlichem Gruß
Ihre Weltweiter Technologieführer AG
Da wusste ich zum ersten Mal in meinem ziemlich rückständigen Leben, dass Technologie uns alle erlösen wird. Vor allem wenn man die Zeit berechnet, die man spart, wenn monatelange Auswahlprozesse auf 10 Minuten verkürzt werden. Die ganze gewonnene Zeit kann man locker für Forschung und Entwicklung rausknallen und weltweiter Technologieführer werden - wenn man es nicht schon wäre.
Ich ging also zu meinem Arbeitgeber, der "Beinahe weltweit führend in Technologie GmbH" und beantragte 3 Tage Urlaub - 2 Tage Reise und einen Tag für's Gespräch. In die Spalte "Grund des Ersuchens" schrieb ich "Rollerblading im Wattenmeer". Am Tag vor meiner Abreise bekam ich eine fiebrige Grippe. Ich kenne in meiner Stadt nur einen einzigen Arzt - genau, den HNO-Spezi aus Stalingrad, den ich vor 2 1/3 Jahren kennengelernt habe. Der Arzt lacht mich aus und schickt mich heim und weil ich inzwischen sehr fiebrig bin, vergesse ich auch, meine Praxisgebühr zurückzuverlangen. Wieder daheim packe ich meinen Koffer, schlucke neun Aspirin unzerkaut 'runter und lege mich ins Bett.
16 Stunden später klingelt der Wecker, ich muss zum Bahnhof, aber meine Ohren sind verklebt, ich habe Halsschmerzen und eine verstopfte Nase. Für einen Besuch beim HNO-Dödel bleibt keine Zeit, obwohl der jetzt wahrscheinlich etwas mit meinen Symptomen anfangen kann. "Potz Tausend!" entfährt es mir, als ich dem Bäcker im Bahnhof herzhaft gegen die Scheibe über den Käsebrötchen niese.
Von der Bahnfahrt weiß ich nichts mehr, weil ich mehrere pflanzliche Gesundmachmittel aus dem Kühlschrank genommen und undiskriminierend in meinen Koffer geschmissen habe. Pflanzliche Medikamente benutzen oft Alkohol in hohen Dosen als Lösungsmittel - und deshalb mögen wir sie so. Als ich eine Stunde vor Ankunft aufwache, weil ein weißer Schäferhund mein Käsebrötchen anknabbert, bin ich dankbar, dass es nur eine Canide ist. In meinem Fiebertraum war es nämlich Tyrannosaurus Rex, der fünftgrößte Raubdinosaurier der Welt.
Die eigentliche Tortur jedoch beginnt erst: Auto leihen und Herberge finden. Letzteres geht fix, aber überzeugen Sie mal das kesse Gör hinterm Schalter davon, dass sie kein Alkoholiker sind - auch wenn sie genau so riechen, sprechen und schreiben. Ich musste auch noch einige Besorgungen machen.
Am nächsten Morgen fahre ich zu meinem Bewerbungsgespräch. Es sind etwas mehr als 100 Kilometer, es ist neblig und die Sonne steht tief. Zusätzlich muss ich im Kräutertinktursuff gegen den Bettpfosten geknallt sein, denn ich habe eine feine Beule auf der Stirn. Ich fahre geschlagene 180 Minuten - so war es berechnet und so war noch eine halbe Stunde Zeit. Ich fahre auf den Parkplatz eines Discount-Marktes, knöpfe mein Hemd auf und ziehe die Hosenbeine hoch, so weit es geht. Mehrere Schulkinder gucken interessiert zu. Dann lange ich in die gestern noch schnell besorgte Kühltasche, die ich bis oben hin mit Eiswürfeln und Split Cuja Mara gefüllt habe (weil es nicht genug Eiswürfel gab) und verpasse mir selbst derart brutale kalte Umschläge, dass die Windschutzscheibe vereist. Danach nippe ich noch schnell an rein pflanzlichen Kräutersud, betätige 10 mal das Nasenspray (an jedem Nasenloch) und fahre zu meinem Vorstellungsgespräch.
Zum Glück muss ich nicht lange warten und darf mich sofort setzen, denn ich kann mich nur mit großer Mühe am Firmenmonogramm im Foyer abstützen, ohne, dass es einer merkt, und den Objektschutz ruft, um den Penner zu verdreschen. Hand auf's Herz - ich selbst hätte mich auch rausschmeißen lassen.
Mit dem Gefühl, mich den Umständen entsprechend gut verkauft zu haben, fahre ich zurück. Ich brauche für den Weg beinahe vier Stunden, denn die erste halbe Stunde bin ich in die falsche Richtung gefahren. Ich bin froh, dass ich nur wenige andere Autofahrer behindern musste - und schadenfroh, dass darunter mehr Sportautos waren als üblich. Nach zwei Stunden mache ich eine Pause, fahre auf einen Parkplatz, den außer mir nur Mordopfer ansteuern würden, und wähle die Nummer des Automobilclub. Aber der hält mich für besoffen und reagiert ungehalten. Niemand kommt, mich abzuschleppen.
Am nächsten Tag fahre ich mit der Bahn wieder zurück. Ich komme am Abend an - Doktor Stalingrad hat natürlich geschlossen und obendrein ist Wochenende. In drei Tagen hatte ich nur etwa eine Stunde lang unter 40 Grad Fieber, fuhr 1500 Kilometer, habe wahrscheinlich hunderte Menschen angesteckt und 5 Jahre meiner Lebenserwartung verfeuert, zahlreiche Menschen, die sich endlich mal ein Sportauto gönnen wollten, zur Weißglut gebracht und abwechselnd den Arzt, die Auskunft, den Schaffner und einen Automobilclub fernmündlich vollgeheult, obwohl ich bei letzterem nichtmal Mitglied bin. Aber ich habe den Job bekommen!
Quality
Montag, 04.02.2008
Begrabt mich nicht in Dubai!
Gewiss waren Sie dieses Jahr schon zwei mal in Dubai? Habe ich's doch geahnt! Dubai ist nämlich das neue Mallorca, nur mit weniger Kultur und noch mehr Kommerz, und alle Getränke sind versteckt. Dubai gibt sich ganz schrecklich viel Mühe mit den Touristen - und die doofen fahren dann da hin.
Aber auch Geschäftsmänner fahren andauernd nach Dubai. Das kommt, weil Dubai so viele Häuser für die Touristen bauen muss. Und für die Geschäfte, in denen Touristen dann den ganzen Klimbim, den sie auch daheim kaufen könnten, kaufen können. Denn in Dubai gibt's auch Autohäuser und Skihallen und Banken - genau wie hier. Wenn man die Diamantenviertel aller alt-ehrwürdigen europäischer Metropolen, die Mediamärkte vom Flachland und die dekadentesten Hotels in einen Eimer schmeißen würde, ein wenig Beton und eine großzügige Prise Sand dazugäbe und das ganze bis zum Sanktnimmerleinstag in den Backofen stellte, dann hätte man ein recht ansehnliches Dubai. Und so machen es die Dubaier, die durch den Verkauf von stinkendem schwarzen Schlamm, mit dem man rein zufällig unsere Autos betreiben kann, stinkend reich geworden sind auch. Aber warum?
Wir sollten uns zunächst einmal einen Überblick über Dubai und die Vereinigten Arabischen Emirate verschaffen. Zunächst einmal müssen wir anmerken, dass das Land bei genauerer Inaugenscheinname noch etwas leerer ist als die Landesflagge.
Größere Kartenansicht
Ich habe mir erlaubt, die Karte da oben mal auf ca. 1000 Kilometer Breite einzustellen. Wie Sie gut erkennen können, liegt Dubai an dem Zipfel einer grauen Fläche, genau da, wo eine blaue Fläche beginnt. Nördlich der blauen Fläche beginnt der Iran, ein Land voller Kultur und Streitigkeiten, Intrigen und geheimer Atomprogramme, aber glauben Sie ja nicht, sie könnten als westlicher Tourist da mal kurz 'reinschnuppern. Iran hat zur Zeit sehr fremdartige Vorstellungen von Gastfreundschaft, ich rate daher von Besuchen ab. Südlich von Dubai, mitten in der grauen Fläche verlaufen die Grenzen von Saudi-Arabien und Oman. Die graue Fläche selbst ist hauptberuflich Wüste. Eine Wüste ist ein sandig-kieseliger Ort, in dem es heiß und staubig ist und einem binnen kürzester Zeit so langweilig wird, dass man verdurstet. Wer als Tourist freiwillig zehn Tage lang Wanderdünen anglotzen mag, sollte unbedingt nach Dubai gehen. 200 Kilometer südwestlich von Dubai ist Abi Dhabi. Als Orient-Experte kann ich Ihnen versichern, dass Abu Dhabi und Dubai nicht nur ähnlich geschrieben werden, sondern auch fast genau gleich aussehen. Und um das ganze vollends auf die Spitze zu treiben haben die Emirate Dubai und Abu Dhabi auch noch fast die gleiche Landesflagge. Du liebe Güte, das ist ja originell. Aber es würde sowieso nichtmal der blödste Tourist (,der schon alle Sandhaufen angeguckt hat,) 200 Kilometer über die Autobahn fahren, um ein und dieselbe Stadt zweimal zu sehen. Über das Erwähnte hinaus gibt es in der Region Dubai nicht besonders viel mehr. Und wenn Sie sich am Ende falsche Vorstellungen vom Großraum persischer Golf gemacht haben, dann vergleichen Sie doch einfach mal die Karte da oben mit der Karte da unten.
Größere Kartenansicht
Sie werden bemerken, dass ich für beide Karten den gleichen Maßstab gewählt habe. was nicht so ganz einfach ist, da die Erde ja eine Kugel ist und sich Kugeln nur sehr schlecht auf einen flachen Bildschirm projizieren lassen.
Das erste, was Ihnen in Dubai auffällt, ist, dass dort fast keine Dubaier wohnen. Nur etwa 15% der Bevölkerung sind Einheimische. Daran wäre ja nichts auszusetzen, denn auf Mallorca war's in der Hauptsaison ja kaum anders. Was jedoch, neben der Tatsache, dass man abgesehen von der einen Stadt mitten im Nirgendwo festhängt, schmerzlich auffällt, ist, dass nur 1/4 der Bevölkerung weiblich ist. Frauen sind in Dubai offenbar unerwünscht, oder - viel wahrscheinlicher - Frauen finden Dubai stinkend langweilig.
Die Abwesenheit von Frauen macht sich (genau wie in Sachsen) natürlich bemerkbar. So ist die ganze Stadt ein einziger feuchter Männertraum: Es gibt riieeesige Hochhäuser, künstliche Inseln vor der Küste, Skihallen, in denen keiner Ski fährt und die beliebteste Freizeitbeschäftigung junger Dubaiern ist, mit dem blitzeblanken SUV durch den Sand in der Wüste zu fräsen. Ehrlich! Das wird denen nie langweilig! Was sollten Sie auch sonst tun? Etwa mit der Liebsten Haschmich in einer Frühlingswiese spielen? Oder im Stadtpark Enten füttern? Dann doch lieber mit dem Brummer die Düne vergewaltigen, Huba, huba!
Wenn Sie in Dubai geboren worden sind, sollten Sie sich ihren Nachnahmen gut merken, denn der bestimmt Ihren Status in der Gesellschaft. Haben Sie etwa gedacht, Dubai wäre ein freier und aufgeklärter Fleck mitten im Persischen Golf? Pustekuchen! Anhand Ihres Nachnahmens wird auf einer Liste eine monatliche Rente für Sie fällig. Die Rente bekommen Sie aus den staatlichen Einnahmen des Ölgeschäfts. Hierbei gibt es natürlich nicht zu verachtende Unterschiede, die sich aus der königlichen Gunst bezüglich Ihrer Sippe ergeben. Aber bevor Sie sich jetzt aufgeregt die Händchen reiben und vom Paradies auf Erden phantasieren, bedenken Sie: Was nützt Ihnen eine staatliche Rente, wenn Sie in einer Stadt wohnen, um die herum nur Sand ist, wenn es keine Frauen gibt und überall riesige Beton-Phallussymbole stehen? Da bekommt man über kurz oder lang Komplexe! Und glauben Sie nicht, sie könnten mit Ihrem ganzen Geld einfach einen drauf machen: Drogenbesitz und Trunkenheit werden in Dubai streng geahndet - meist mit Knast. Und passen Sie bloß auf, wenn Sie sich dabei aus Versehen an der Schulter Ihres besten Freundes ausheulen wollen: Homosexualität ist in Dubai nämlich verboten und führt über kurz oder lang ebenfalls in den Knast.
Da sitzen Sie also in ihrem Hotelzimmer aus Beton in einer Wüste aus Sand und wissen nicht ein noch aus. Kein Wunder also, dass sich die Hobbys der Dubais auf Jeep-durch-die-Wüste-treten und unnützen-Kappes-kaufen beschränken. Weil die (überwiegend männlichen) Männer Dubais aber mega-clever sind und erkannt haben, dass entweder das Öl eines Tages alle ist oder wir eines Tages Strom in unsere Autos tun, planen Sie die Zukunft im Voraus. Dagegen ist nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil bewundere ich jede Sorte Weitblick. Aber zu glauben, dass man westliche Touristen aus Ländern, in denen ein Schwuli mit seiner betrunkenen Bekannten ungestraft im Stadtpark Enten füttern kann, in eine Sichtbetoneinöde in der Sandwüste locken kann, muss ich auf's schärfste Verurteilen. Zumal mit so hinverbrannten Kinkerlitzchen wie Autohäusern, Skihallen, Pferderennbahnen, Juwelieren und Designer-Hemden! Habt Ihr sie noch alle?
Ich wohne mitten in Europa - ich kann in der Stadt teure Diamantringe, mithin eine Luxuslimousine sogar per Mailorder kaufen, Designer-Hemden gibt's an jeder Ecke und wenn ich mich gar zu sehr langweile, kann ich zum Pferderennen oder Dressurreiten gehen. Wenn ich Ski fahren will, kann ich entweder in eine Skihalle gehen oder auf echte Berge steigen, jedenfalls solange das vom vielen verbrannten Öl genervte Klima noch Zeit für ein paar Schneeflocken findet. Für all diese Dinge muss man nicht tausende Kilometer im Airbus Trombosen züchten - kann man alles daheim mit dem Oktavia erreichen! Und obendrein haben unsere Breiten noch den Vorteil, dass man Leitungswasser trinken und sich an der frischen Luft aufhalten kann. Beides sollte man in Dubai vermeiden, weil das Leitungswasser in Dubai stark belastet ist und ein Aufenthalt bei 40 Grad im Schatten stark belastet.
Da Dubai auch immer noch keine Industrienation ist - es wegen dem staatlichen Nachname-Rentensystem auch nie werden wird - scheidet neben der Tourismusindustrie auch die traditionelle Industrie als Zukunftsszenario Dubais aus. Schon jetzt wohnen die Dubaiesen wie Quality im Supermarkt: Alle anfallende Arbeit wird von jemand anders erledigt und ich kann mich bedienen wie ich will. Supermärkte sind ebenfalls langweilige Orte, in denen ich nie mehr als die notwendige Zeit verbringe.
Um das Bild von Dubais Zukunft abzurunden, könnte man noch den Finanzsektor nennen. Die meisten Banken sind jedoch nur deshalb in Dubai, weil andere Banken auch dort sind. In Dubai selbst kann man mit Geld nur wenig Geld verdienen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass die Währung der Vereinigten Arabischen Emirate mit festen Wechselkurs an den Dollar gekoppelt ist. Wäre dem nicht so, würde die Währung eines Landes, in dem ein paar ganz reiche (männliche) Frühpensionäre wohnten, so stark an Wert verlieren, dass sogar der Sand im Speiseeis extra kosten würde. Obwohl sich (außer den Gastarbeitern) niemand in Dubai Geld leihen muss, könnte es doch von Vorteil sein, Investitionen im Umland Dubais zu tätigen. Bitte gucken Sie noch mal auf die Karte ganz oben. Haben Sie noch Lust, eine Bankfiliale in Dubai zu gründen? Dachte ich's mir doch.
Ich hoffe, die Bewohner Dubais haben noch einen Plan B für die Zukunft in der Hand. Falls nicht, rate ich jedem, der einen Drucker hat, einen Plan zu entwerfen und nach Dubai zu verkaufen. Aber lassen Sie sich bloß nicht in Immobilien bezahlen!
Quality
Dienstag, 29.01.2008
Ich will nichts mehr!
Als ich als junger Geschäftsmann mir mein allerallerallererstes GSM-Telefon kaufte (weil es damals hieß, nur wichtige Typen hätten ein mobiles Telefon), ahnte ich noch nicht, dass Mobiltelefonie nie wieder so schön sein würde, wie früher. Das Gerät hatte einfach alles: Ein monochromes Grafikdisplay, beleuchtete Tasten, Sprachaufzeichnung und - das war damals noch nicht selbstverständlich - einen Vibrationsalarm. Es war ein Stück Designgeschichte! Es war ein großartiges und praktisches Gerät und hatte eine neckische Gummiantenne oben drauf. Und es war von Panasonic! Ich habe im Leben nie wieder ein Panasonic-Gerät besessen - eigentlich komisch. Auf Handy-Sammler.de gibt es noch ein Bild von meinem allerersten mobilen Telefon.
Mein zweites mobiles Telefon war auch noch ganz passabel. Es war ein Sony-Gerät und ein Bild davon findet sich tatsächlich noch beim Hersteller.
Das tollste an diesem Telefon war, dass es so winzig war und einen Manieren-Modus hatte. Alles andere war pures Design. Mein nächstes Sony-Ericsson war ein Haufen hässliches Plastik. Ich hatte es wegen des farbigen Displays gekauft, aber obwohl das Telefon 5 Bildqualitätsstufen hatte, sahen selbst die besten Bilder aus wie ein Bild von Monet - wenn Monet nur 16 Farben und 5 Pinseltupfer zur Verfügung hätte. Das Gerät war von seiner eigenen Störstrahlung so stark betroffen, dass jedes Telefongespräch in Gebrüll ausartete. Das Telefon danach war ein Nokia und das danach auch. Die waren OK, aber mehr als telefoniert habe ich damit nie. Einmal habe ich UMTS-Bildtelefonie gemacht und jemanden angerufen, der auch ein UMTS-Bildtelefon hatte. Weil der mir aber genau gegenüber saß, war das schon etwas peinlich und noch viel teurer, deswegen habe ich es gelassen und seit dem nie wieder Bildtelefonie gemacht.
Am 9. November 2007 wollte ich mich wieder so fühlen wie vor 10 Jahren und ging noch vor Arbeit in die Telekom-Bude. Normalerweise gehe ich dort frühestens nach dem dritten Frühstück und zwei Slibovitz hin, weil sie dort alle immer so unfreundlich sind, aber manchmal im Leben muss man sich einfach den unangenehmen Dingen stellen. In der Telekom-Butze waren auch noch vier andere Leute. Einer wollte seine Rufnummer ändern, eine wollte einfach nur ein wenig quasseln und zwei waren nur da, weil es draußen so kalt war. So kam es, dass ich als einziger an diesem Tage ein iPhone kaufte. Weil man so wenig iPhones in der freien Wildbahn sieht, glaube ich, dass ich bis heute der einzige mit einem iPhone bin. Jedenfalls ging an diesem 9. November eines meiner Lebenslichter aus und seit dem fühle ich mich so leer und traurig.
Früher war ich fest davon überzeugt, dass man für jede Tätigkeit des Alltages ein elektronisches Gerät mit Display brauchte. Aus diesem Grund habe ich den Archos, den iPod, ein kleines Navigationsgerät, einen Palmtop und eben ein modernes Telefon gekauft. Dazu noch ein paar tragbare Computer, eine Uhr mit digitalem Kompass und Höhenmesser und einen Taschenrechner. Und jeden Tag blätterte ich wild in Katalogen multinationaler Elektronikketten, ob es da nicht noch etwas gäbe, was ich noch bräuchte: Einen Minicomputer nur für's Internet zum Beispiel. Oder ein Mobiltelefon, dass E-Mails abrufen kann. Oder einen miniminikleinen tragbaren Computer mit eee im Namen.
Aber seit jenem Tag im November brauche ich kein weiteres Gerät mit Display mehr. Schlimmer noch: Bis auf meinen iPod habe ich alle anderen Geräte mit dem Weihnachtsschmuck in den Keller geräumt. Ich denke, ich werde es erst dann wieder an das ganze Gerümpel denken, wenn eine der zahlreichen Lithium-Batterien explodiert und das Haus in Richtung Erdumlaufbahn fliegt. Denn seit ich ein iPhone habe, brauche ich kein weiteres tragbares Gerät mehr. Wenn ich mich in einer fremden Stadt verlaufe, muss ich bloß noch ein Straßenschild suchen und in mein iPhone abtippen. E-Mails fliegen mir durch die Luft hinterher, wie es auch brave Anrufe tun. Anrufe, die ich verpasse, weil ich meine iPod-Stöpsel im Ohr habe, landen in meiner Visual Voicemailbox. Einmal hat mir jemand im Café Geld geliehen - das konnte ich ihm ruckzuck mit meinem iPhone zurücküberweisen. Und wenn ich einmal gar nichts zu tun habe, kann ich im Internet die Wikipedia auswendig lernen oder Comics lesen. Obendrein habe ich auch immer ein paar Video-Podcasts dabei, die ich mir beispielsweise beim Autofahren anschauen kann - wenn ich nicht gerade telefoniere. Sogar daheim surfe ich meistens mit dem iPhone im Internet und benutze den Computer nur noch, um E-Mails in die Postfächer zu sortieren (macht Mail automatisch) und die Fächer dann leerzulöschen. Und nichtmal der billige eee-PC, der seine Lautsprecher direkt neben dem Display hat, damit das nicht so groß und teuer wird, lockt mich noch hinter dem Ofen hervor. Was würde ich denn mit dem machen, wenn nicht E-Mails lesen?
Kurz: Seit dem iPhone törnt mich irgendwie gar nichts mehr an. Es ist auch aussichtslos, zu Erwarten, dass jemals wieder ein tolles tragbares Gerät herauskommt, dass kein iPhone ist. Immerhin gibt es das iPhone jetzt schon ein halbes Jahr und erst gestern hatte ich das nagelneue Y38i-B aus Korea in der Hand. Es sah aus wie ein Braun-Rasierer mit Zahlen drauf, aber bediente sich ungleich schlechter als der treue Bartschneider. Es ist ungefähr so, wie wenn man auf einmal wieder ein Windows-95 auf dem Computer hätte. Alles sieht irgendwie mauer aus und funktioniert immer erst beim achten Mal. Zusätzlich sorgt ein falscher Knopfdruck auf die 200 Minitasten dafür, dass man wieder von Vorne anfangen muss. Da sieht man mal, was sich in einem Jahrzehnt Mobilfunk so alles tun kann. Meinem ollen Panasonic hätte ich dieses Bedienkonzept verziehen, dem nagelneuen T3000 aus Hong Kong jedoch nicht.
Ich bin total sauer mit Apple! Weil das iPhone so super ist, hat es sämtliche Hoffnungen auf ein noch viel besseres Gerät ruiniert. Und so stehe ich seit November hoffnungslos vor der Schaufensterscheibe des Elektronik-Riesen und warte darauf, dass endlich wieder ein Gerät mit Display ins ausgestellt wird, dass ich haben will. Man kann sich doch nicht dazu zwingen!
Quality
Montag, 28.01.2008
Nachbarschaftsstreit
Ich wollte beruflich vorankommen und bin umgezogen. Meine neue Wohnung ist nicht so groß wie die alte und ich wohne auch ein Stockwerk höher als vorher. Ich habe keine Badewanne mehr und wohne an einer stark befahrenen Straße. Und die Nachbarschaft ist auch nicht mehr so gut, aber dazu mehr im Verlaufe des Textes.
Es war spät in der Nacht und ich hatte meine letze Umzugstasche gerade ausgepackt und wollte mich gemütlich mit einer Flasche Bier ins Waschbecken legen, da gewahrte mir von unten auf der Straße ein Heulen und Wehklagen. Da schnappte ich mir natürlich sofort mein Telefon und eine Flasche französisches Mineralwasser (1000 Jahre im Vulkangestein 'rumgetrödelt) und sprang die Treppenstufen herunter zur Haustür. Ich muss das vielleicht erklären.
In meiner alten Wohngegend, die viel besser war als meine neue, kam es öfter mal vor, dass Broker, Investmentbanker und Vorstandsvorsitzende aus dem nahegelegenen Gewerbegebiet sturzbesoffen in meine Straße taumelten und wegen der kaputtrandalierten Natriumdampflampen nicht mehr herausfanden. Einmal, als ich spät abends nach Hause kam, habe ich so einem armen Krawatti auf die Beine geholfen und ihm ein Taxi gerufen. Das hat den vom Alkohol gezeichneten Blödmann derartig gerührt, dass er mir einen Fünfziger und seinen Porsche-Schlüssel daließ. Für den Fünfziger habe ich mir sofort einen neuen Eierkocher mit Titanwandung gezockt, den dem Porsche-Schlüssel zugehörigen Sportwagen habe ich leider nie gefunden. Es hat sich immer gelohnt, einem Besoffenen in meiner alten Wohngegend beizustehen. Einmal hatte ich sogar den gesamten Betriebsrat eines deutschen Automobilkonzerns stinkebreit überm Gartenzaun hängen - inklusive 14 südamerikanischer Schönheiten.
Aber in meiner neuen Wohngegend ist alles anders. Kaum hatte ich erwartungsvoll die Haustür aufgerissen, fiel mir schon eine dicke Mittvierzigerin in die Arme. Die roch ganz entsetzlich! Und hinter ihr rannte ein zeternder Glatzkopf im Unterhemd und mit Tätowierungen auf den Armen. Da bugsierte ich die sauer riechende Frau ganz schnell hinter mich und knallte dem Schreihals die Tür vor der Nase zu.
Die Frau weinte sehr laut und forderte mich schluchzend auf, sofort die Polizei anzurufen. Das tat ich dann auch. Das ging so:
Polizei: "Polizeinotruf..?"
Quality: "Guten Abend, hier ist eine weinende Frau, die auf der Flucht vor einem Herren ist, der lautstark durch die Tür vorgibt, ihr Lebensabschnittsgefährte zu sein..."
Polizei: "Sag mal, Bürschchen, willst Du mich auf den Arm nehmen?"
Quality: "Mitnichten, mein Herr. Die Lage scheint vielmehr bitterernst! Die Dame verlangt ausdrücklich nach dem Beistand der Inhaber des Gewaltmonopols."
Polizei: "..."
Quality: "Weiterhin weist die Dame an den Oberarmen Spuren von Gewalteinwirkung durch stumpfe Gegenstände, resp. Fäuste auf!"
Polizei: "Name? Adresse?"
Quality: "Mein Name ist Quality und meine Adresse ist... (nennt ein nach Mietspiegel viel zu hoch eingestuftes Miethaus in Westend)"
Polizei: "Wohnst Du da?"
Quality: "Ich wohne ganz oben, die bereits erwähnte Dame wohnt augenscheinlich im Erdgeschoss."
Polizei: "Klick"
Die dicke Frau war inzwischen vollkommen aufgelöst, woraufhin ich sie in ihre Wohnung geleitete, sie auf einen Stuhl setzte und ein sauberes Glas suchte, in welchem ich ihr mein französisches Mineralwasser anzubieten gedachte. In der Wohnung lag alles voller Papiere, die hauptsächlich Rechnungen waren. Auf dem ungemachten Bett stand eine Drucker/Fax/Scanner-Kombination von HP. Manche Details brennen sich einem in solchen Momenten ein, da kann man gar nichts machen. In der ganzen Zeit zeterte und rabotzte der Glatzkopf vor der Haustür und sprang an den Fenstern hoch.
Es dauerte nur etwa fünf Minuten, dann waren die Herren von der Polizei anwesend. Ich öffnete die Tür, woraufhin zwei Prachtexemplare von Polizisten die Wohnungstür auf- und mich beiseitestießen und alle sechs Treppen hinauf zu meiner Wohnungstür stürmten. Der kreischende Glatzkopf gewahrte seine Chance und drang ebenfalls in das Treppenhaus ein. Meine dicke Nachbarin stieß einen spitzen Schrei aus und schlug die Wohnungstür zu. Nun stand ich auf dem Hausflur, ganz ohne mein Mineralwasser, dafür deckte mich der Unterschicht-Glatzkopf mit verbalem Unflat und Gewaltandrohungen ein während die Herren von der Ordnungsmacht meine Wohnungstür mit Knüppeln bearbeiteten. Mit Mühe und Not konnte ich gleichzeitig den Glatzkopf und die Polizei überzeugen, dass er mir nicht "die Fresse einschlagen" resp. sie mir nicht die Milchglasscheibe aus der Wohnungstür knüppeln sollten. Inzwischen klingelte es schon wieder an der Haustür, diesmal waren es die Rettungssanitäter. Im letzten Moment, bevor mich die Situation komplett übermannen konnte, geleiteten die zwei Polizisten den vor Wut auf der Stelle tretenden Unterschichtian auf die Straße während die Sanitäter der dicken Frau mit dem Mundgeruch einen Hausbesuch abstatteten. Plötzlich stand ich ganz alleine auf dem Hausflur 'rum und wusste nicht, was ich tun sollte. Als die Sanitäter und Polizisten dann kurz die Ermittlungsgegenstände tauschten frage ich, ob man mich noch bräuchte. "Nee, verzieh' Dich!" hieß es. Nach etwa einer Stunde wurde der Schreihals etwas leiser und von der Polizei zu seinem Fiesta gebracht, wo er "erstmal ausschlafen" wollte. Wieder eine Stunde später sah ich den Fiesta ohne Licht in Schlangenlinien davonfahren.
Und das wars! Kein Porsche-Schlüssel, kein Fünfziger, kein gar nichts. Eine Woche später begegnete ich der Dame, die immer noch dick war, aber in jenem Moment weniger Mundgeruch hatte, im Hausflur. "Guten Abend, wie geht es Ihnen?" fragte ich höflich, aber die Dame sah nur auf den Fußboden und ging schnell an mir vorbei. Ich habe es mir gleich am ersten Abend mit der Nachbarin verscherzt. Das ist ja ein guter Anfang!
Quality
Gott muss immer langsam sprechen!
Gott spricht nicht mit mir. Ehrlich. Nächtelang habe ich in meinem Bettchen mit gefalteten Händchen an die Decke geglotzt und versucht, dem Schöpfer eine Antwort abzuringen. Aber er spricht nicht zu mir. Er spricht nie zu mir. Dabei wäre ich auf der Liste möglicher irdischer Gesprächspartner wirklich nicht die letzte Wahl. Zu der illustren Runde der Anprechpartner Gottes gehören unter anderem:
- Eva Herman
- Adolf Hitler
- George W. Bush
- meine Nachbarin mit den vielen Katzen
- Moses
Zu den Leuten, zu denen Gott nicht spricht, gehören mindestens:
- Quality
- Mutter Teresa
Was sagt das über Gott aus? Zugestanden, wenn ich das Potential hätte, mit 6,6 Milliarden Menschen zu plaudern (denn Gott spricht nicht allein zu Christen, siehe Moses!), würde auch ich eine Auswahl treffen. Außerdem sind göttliche Figuren meist allwissend, also hält sich auch die Neugier in Grenzen. Es ist als Allwissender nun mal schwierig, total interessante neue Leute kennen zu lernen. Spricht Gott also nur um der Konversation willen zu Präsidenten, Talkshow-Trullas und Massenmördern? Und wenn ja, warum erzählt er dann so viel Stuss? Warum hat er zum Beispiel George mit den Massenvernichtungswaffen im Irak reingelegt?
Dazu verbleiben einem aufgeklärten Menschen nur zwei Hypothesen. Die erste lautet: Gott hat eine merkwürdig zynische Art von Humor. Zyniker kann ich nicht ausstehen. Die sind immer so destruktiv. Man sollte nicht auf Zyniker hören.
Die andere Hypothese lautet: Es gibt Gott gar nicht und der Gottesauftrag, den oben genannte Individuen zu erfüllen glauben ist nichts anderes als eine Rechtfertigung für irrationale Furcht, blutberauschte Aussagen oder Taten. Heute Nacht unternehme ich einen letzten Versuch: Ich will von Gott wissen, warum er immer nur mit der langsamen Sorte Mensch spricht. Ich will auch wissen, warum Gott nie wirklich interessante Fragen erörtert. Ich fände es nur gerecht, wenn man als Gott eine Invasion, einen Massenmord oder eine infantile Buchreihe mal mit ein paar Antworten belohnen würde. Aber scheinbar nehmen Gottes Gesprächspartner immer nur Aufträge entgegen oder fragen irgendwelchen egozentrischen Käse. Dabei finde ich, dass man als Gottes Handlanger wenigstens eine ehrliche Antwort auf die Frage "Gibt es das Higgs-Boson?" verdient hätte. Die Antwort auf die Frage würde nicht nur viel Geld, sondern würde auch einem Haufen Teilchenphysiker viel Arbeit ersparen, die dann in der Fußgängerzone fromme Heftchen verbimmeln könnten.
Quality
Samstag, 10.11.2007
Treffen sich zwei Separatisten...
Wenn in China nur noch eine Kleinfamilie von Reissäcken umkippt, spaltet sich Belgien in zwei Teile. Haben Sie das gelesen? Haben Sie auch gelesen, warum? Na weil es in Belgien zwei Gruppen gibt, die jeweils verschiedene Sprachen sprechen. Da gibt's einerseits die Blöden, die sprechen nur mikronesisch, aber lassen alle nasalen Verben weg und die Doofen, die sprechen einen alten Inuit-Dialekt mit aus dem süd-samoanischen entlehnten Präpositionen.
Die Doofen und die Blöden denken sich (jeder für sich natürlich), dass ihre jeweilige Sprache, die überlegene ist. Deshalb finden sie die jeweils anderen doof. Also die Doofen finden die Blöden doof und die Blöden die Doofen und so weiter und so fort. Dass die überwiegende Mehrzahl der Weltbevölkerung andere Sprachen spricht, Belgien mitunter sehr klein und die Welt sehr groß ist, spielt in diesem bedeutenden Zwischenfall mitten in Europa natürlich wieder mal keine Rolle.
Jetzt mal im Ernst: Die Sprache, mit der ein Mensch aufwächst, ist reiner Zufall. Stellen Sie sich doch mal vor, sie wären in Schwarzafrika geboren. Die Chancen, dass Sie dann ihren geliebten pfälzer Dialekt, den Sie bis aufs Blut gegen den sauerländer Singsang verteidigen, ist geringer als die Chance, eine Nonne auf dem Herrenklo zu treffen. Wahrscheinlich würden Sie nicht mal deutsch sprechen! Wahrscheinlich würden Sie es nichtmal können, selbst wenn Sie wollten.
Angesichts der der Fläche Belgiens auf meiner Karte und eingedenk der Tatsache, dass Doofis und Blödis diese Fläche etwa zu gleichen Teilen bewohnen, ist es doch - bitteschön - nahezu ausgeschlossen, mit einer einzigen Sprache besonders weit zu kommen. Gerade Belgier sollten eigentlich wissen, dass es sich durchaus auszahlt, mehrere Sprachen zu sprechen. Sei es, um den Türsteher zu überzeugen, Feindmeldungen abzuhören, Bedienungsanleitungen zu verstehen oder die feurige Südländerin auf eine Flamensuppe oder eine Fahrt mit dem Heißluftwallon einzuladen. Weder den Türsteher noch die Dame mit dem mediterranen Hintergrund interessiert die Sprache, die Sie von ihren Eltern gelernt haben. Glauben Sie mir das.
Quality (ausnahmsweise am Samstag)
Donnerstag, 18.10.2007
Fürchtet Euch nicht
Gestern traf ich meinen Nachbar am Ententeich. Der Nachbar ließ gerade das Öl von seinem Corsa in den Tümpel glucksen. Ganz der alte Öko, der ich nunmal bin, stellte ich knapp dar, dass "die Enten das irgendwie nicht so dufte finden". War meinem Nachbarn egal. Weil ganz China seinen Abfall nicht trennte, würde es ja wohl kaum etwas ausmachen, wenn auch er das Altöl biologisch entsorgte.
Ein Kommentator im Blog echauffiert sich heftig über meine Meinung zur Atomkraft. "Wenn wir aussteigen," heißt es hysterisch, "dann bauen die Franzosen fünfzig neue Atomkraftwerke."
Meine Steuerberaterin hat sich ein neues Auto gekauft. Ein Geländewagen. Das neue Auto verbraucht exakt doppelt so viel Benzin wie das alte. Ins Gelände fährt meine Steuerberaterin nie und ihr Friseur hat einen asphaltierten Parkplatz. Sie hat so schönes Haar...
Spätestens wenn ein junger Mensch das Sprechen lernt, ist der postmaterielle, weltoffene und zuversichtliche Bürger in ihm beerdigt. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hockt zu Hause auf dem Sofa und bangt, ob morgen alles noch so ist wie heute. Denn wenn sich die Dinge ändern würden, wären sie ja anders und das wäre sehr schlecht. Deswegen haben wir ganze Berufsgruppen, die nicht anderes tun, als den Lauf der Dinge zu behindern. Hunderte Menschen sind im Hauptberuf Lobbyisten und haben ihres Zeichens kein anderes Ziel, als dass alles so bleiben sollte, wie's gerade jetzt ganz zufällig ist. Tausende Mitglieder sogenannter konservativer Parteien machen nichts anderes, als den vermuffelten Satus quo zu erhalten, der sich in all den Jahren, in denen den Menschen vor Veränderungen bange war, eingestellt hat. Und noch mal so viele Mitglieder irgendwelcher Fantasiereligionen wünschen sich einen Erhalt ihres fraglichen Status, also sind auch sie die letzten, die man in Punkto Fortschritt anhauen kann.
Sicherlich, auf ausgetretenen Pfaden fällt man seltener auf die Fresse, aber man muss auch immer den gleichen verschlungenen Weg gehen, den tausende Penner vor einem gegangen sind, egal ob man dort überhaupt hin will. Dabei kann es sehr erquicklich sein, wenn man mal kräftig ausschreitet, tief durchatmet und einfach mal so eine neue Richtung einschlägt. Anfänger sollten das im Naherholungsgebiet mal ausprobieren. Vergessen Sie nicht, Telefon und GPS mitzunehmen, falls Sie auf die Fresse fallen.
Weil das für Menschen so schwierig ist, weil Sesselpupen die weltweit verbreitetste Freizeitbeschäftigung ist (jedenfalls in Gegenden der Welt, in denen die Leute Sessel haben), gibt's hohe Auszeichnungen für die Mädels und Jungs, die auf ihrem Weg etwas Spannendes entdecken. Denken Sie dabei nicht nur an den blöden Nobelpreis am 10. Dezember, denken Sie an die hunderte Preise von Forschungsgesellschaften, Stiftungen, Forschungsgelder und auch an "Jugend forscht". Im besten Falle bekommt ein Forscher eine Million in skandinavischem Gold und darf mit dem König von Schweden beim Abendessen schweinische Witze reißen. Das zeigt doch, dass es offenbar erwünscht und gleichzeitig unglaublich schwer ist, um ein paar Ecken zu denken.
Wenn sich Dinge ändern nennt man das manchmal Fortschritt. Und Fortschritt ist, was den Menschen die größte Angst macht. Noch im letzten Jahr musste ich Seelen verarzten, die noch nicht verkraftet hatten, dass sie seit 25 Jahren am Computer arbeiten. Noch heute brechen viele Menschen in Tränen aus, wenn man ihnen sagt, dass die Ablösung des Verbrennungskraftmotors im Körperpflege-Jeep nicht mehr eine Frage des "Wie?" sondern nur noch eine des "Wann?" ist. Und vor ein paar Tagen erklärte ich einem Sportlehrer während des Bahnstreiks, dass die Absorptionsspektren von Treibhausgasen keine Glaubensfrage sondern vielmehr ein Naturgesetz sind. Ich finde das sehr ironisch, weil sich herausstellte, dass der Mann ein Treibhaus für Tomaten im Garten und ein Teleskop zum Beobachten der Venus hat. Im Treibhaus ist's gemütlich, weil die Wärme nicht herauskann und auf der Venus ist's ungemütlich, weil zu viel Wärme durch Treibhausgase aufgenommen wird. Die Balance ist wichtig. Dennoch wäre eine Welt, in der man auf seine Emissionen achtet eine andere - und damit eine schlechtere.
Stimmt aber gar nicht. Ganz viele Dinge sind durch den Fortschritt besser geworden. Beispielsweise kann ich mich gegen Tetanus impfen lassen und habe sogar die Wahl zwischen verschiedenen Impfstoffherstellern. Auch kann ich mit einem Computer so groß wie ein Mickeymausheft Buchstaben von überall auf der Welt lesen - und auch Buchstaben verschicken. Und weil der Fortschritt uns Katalysatoren, bleifreies Benzin und neuerdings auch Dieselfilter bescherte (kostete große Mühe!), sind sogar die Bleiwerte in Säuglingen endlich wieder stabil. Sehen Sie? Es geht doch. Wenn man nur will. Das Sahnehäubchen wäre natürlich noch, wenn man das ganze ohne Maulen, Zähneklappern, Panikmache und bornierte Uneinsichtigkeit abwickeln könnte. Aber das geht mit dem Homo willichnich nicht so gut. Deshalb mein Angebot: Wann immer uns die Furcht vor Elektro-Autos, Windrädern, Flaschenpfand, Bierpreis oder Berufsarmee packt, rücken wir alle ganz dicht zusammen und umarmen uns. Ich bin mir sicher, dann ist das alles gar nicht so schlimm. Und danach haben wir neuen Mut und tun einfach mal das, was getan werden muss, bevor wir wieder in die Fernsehsessellähmung zurückfallen.
Außerdem stehen wir mit den meisten Problemen doch gar nicht so alleine da: Viele Menschen auf dem Planeten haben zwar im Moment dringendere Probleme, z.B. wie sie an sauberes Trinkwasser kommen, ob als Katholik nach 10 unterernährten Kindern nicht Schluss sein darf oder welcher westliche Modedesigner in Shanghai hipper ist, aber das ist alles Pipifax. Globale Probleme treffen eines Tages alle globalen Bewohner. Und wenn ich mich entscheiden dürfte hätte ich viel lieber wenigstens einen winzigen Lösungsansatz als einen Riesenzorn, dass ein anderer vor mir darauf gekommen ist.
Haben Sie nicht auch diese Woche gelesen, dass die deutsche Forschung stärker vorankommen soll? Dann sollten wir langsam mal aus dem Quark kommen und unsere Zukunftsangst mit Gruppenknuddeln und Erdbeerlollis in den Griff kriegen. Das hilft bestimmt!
Quality


